Welche Organisationsform, welches „Betriebssystem", passt in der VUCA-Welt am besten? Und wie wird eine Organisation möglichst schnell agil und adaptiv?
Die Antwort fällt selten eindeutig aus. Zwischen der bewährten Pyramide und radikal selbstorganisierten Zellen liegt ein breites Spektrum – jedes Modell mit eigenen Stärken und Schwächen. Drei Grundformen lohnen einen genaueren Blick.
Drei Organisationsformen im Überblick
Klassische Hierarchie
Klare Rollen und Zuständigkeiten; effizient in stabilen Märkten, aber träge und veränderungsresistent.
Netzwerkorganisation
Schnelle Vernetzung und Wissenstransfer; aber Redundanzen und hoher Koordinationsaufwand.
Kreisorganisation
Selbstorganisierte Teams, dezentrale Autorität, schnelle lokale Entscheidungen; Herausforderungen bei Gehalt/Karriere.
Klassisch-hierarchische Organisation – die Cashcow des letzten Jahrhunderts
Die pyramidenförmige Hierarchie prägt seit langem die Strukturen von Unternehmen. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: einfache Orientierung, klare Zuständigkeiten und Rollen sowie eine eindeutige Verantwortungszuweisung. In stabilen Märkten arbeitet sie effizient.
Im VUCA-Kontext zeigen sich allerdings deutliche Nachteile: hohe Bürokratie, Trägheit, Betriebsblindheit, Veränderungsresistenz und Kontextignoranz. Demokratische Elemente und Empowerment können hierarchische Systeme aber auch heute noch erfolgreich machen.
Ein Beispiel ist Trigema: Das Unternehmen reagierte schnell auf die Pandemie und stellte die Produktion auf Masken um. Patriarch Wolfgang Grupp bleibt dabei in alle Entscheidungen involviert – Hierarchie und Reaktionsfähigkeit schließen sich also nicht zwangsläufig aus.
Netzwerkorganisationen
Netzwerkorganisationen fördern Vernetzung und Kommunikation. Ihre Vorteile sind eine schnelle und einfache Vernetzung und Kommunikation, eine effektive partnerschaftliche Zusammenarbeit sowie ein effizienter Informations- und Wissenstransfer.
Demgegenüber stehen Nachteile wie Redundanzen und ein hoher Koordinationsaufwand. Die Umlaut AG veranschaulicht das: Sie gründet regelmäßig neue Töchter, benötigt aber trotz ihrer Netzwerkstruktur weiterhin Struktur, einen Orientierungsrahmen und Führungsrollen.
Kreisorganisation als Organisationsform der Zukunft
Die Kreisorganisation verzichtet auf klassische Hierarchien und Manager-Titel. Autorität wird mithilfe sich selbst organisierender Teams auf das gesamte Unternehmen verteilt.
Ihre Vorteile: Entscheidungen werden lokal und schnell getroffen, da Autorität stark dezentralisiert ist; Teams arbeiten eigenständig, eigenverantwortlich und selbststeuernd. Doch es gibt auch Nachteile – Probleme bei Gehaltsstrukturen und Karrieremöglichkeiten, die Bildung informeller Hierarchien sowie die Tatsache, dass börsennotierte Unternehmen ihre Reporting-Strukturen beibehalten müssen.
Ein Beispiel ist Freitag lab.ag: Das Unternehmen schaffte 2016 die klassische Hierarchie ab und führte Holacracy ein. Aus dem klassischen Organigramm wurde ein „Stadtbild", in dem es keine Geschäftsleitung mehr gibt, sondern selbstorganisierte Zellen.
Fazit
Unternehmenstransformation erfordert Individualität. Da es kein universelles Modell gibt, identifiziert ein ganzheitlicher Beratungsansatz das Potenzial der jeweiligen Organisation und begleitet den Veränderungsprozess.