Mitarbeitende mit mehr Eigenverantwortung
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Verteilte Führung aus Sicht der Mitarbeitenden

Wie Mitarbeitende den Wandel zu mehr Eigenverantwortung erleben – zwischen Chance, Überforderung und echtem Wachstum

Verteilte Führung wird meist aus der Perspektive von Führungskräften diskutiert – als Frage des Loslassens und Delegierens. Aber was erleben Mitarbeitende? Drei Perspektiven aus der Praxis.

Drei Perspektiven aus dem Alltag

Lea, Projektkoordinatorin

„Am Anfang war es toll. Endlich konnte ich wirklich entscheiden, wie wir das Projekt organisieren. Dann merkte ich: Ich hatte zwar Entscheidungsfreiheit, aber keine Klarheit. Wer entscheidet über das Budget? Wann muss ich meinen Vorgesetzten einbeziehen? Nach einem langen Abstimmungsmeeting – das mein Chef gar nicht hätte sein müssen – habe ich das erste Mal offen nachgefragt."

Thomas, Teamleiter in der IT

„Ich fand es befreiend. Endlich konnte ich Entscheidungen treffen, ohne drei Freigabestufen zu durchlaufen. Was mich überraschte: Meine Kollegen waren anfangs skeptisch. ‚Was, das entscheidest du jetzt einfach so?' Vertrauen braucht Zeit – auch innerhalb des Teams."

Miriam, Senior Expertin

„Ich war schon lange frustriert über Führungsentscheidungen, die aus meiner Sicht falsch waren. Als wir fachliche Verantwortung teilten, änderte sich das. Aber ich merkte auch: Entscheiden ist anstrengend. Nicht die Entscheidungen selbst – sondern die Verantwortung zu tragen, wenn etwas schiefläuft. Das hatte ich mir leichter vorgestellt."

Was Mitarbeitende wirklich brauchen

Klarheit

Klare Entscheidungsräume: Was liegt in meinem Bereich? Was braucht Abstimmung?

Sicherheit

Fehler dürfen passieren – ohne Statusverlust oder öffentliche Korrektur.

Entwicklung

Nicht nur Freiheit, sondern auch Kompetenzaufbau: Wie entscheide ich gut?

Was Mitarbeitende in verteilter Führung brauchen

Das Missverständnis „Selbstorganisation"

Verteilte Führung bedeutet nicht, dass Führung wegfällt. Es bedeutet, dass sie anders verteilt ist. Mitarbeitende wollen keine Führungslosigkeit – sie wollen sinnvolle Verantwortung, klare Erwartungen und Unterstützung, wenn es schwierig wird.

Organisationen, die das missachten und verteilte Führung als „Führungskräfte sparen" verstehen, scheitern regelmäßig. Der Schlüssel ist nicht weniger Führung, sondern klügere.

Fazit: Partizipation braucht Vorbereitung

Mitarbeitende können Verantwortung gut übernehmen – wenn sie wissen, welche sie übernehmen, die Fähigkeiten haben, sie auszufüllen, und wissen, dass Fehler zur Entwicklung gehören. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Ergebnis guter Begleitung.

Ihr nächster Schritt

Verteilte Führung in Ihrem Team verankern?

In der 60-Minuten-Diagnose schauen wir gemeinsam auf Ihre konkrete Situation. Sie gehen mit einer klaren Einschätzung und einem nächsten Schritt heraus, unabhängig davon, ob danach etwas folgt.

SB
Über die Autorin

Susanne Blüml

Susanne Blüml schreibt über moderne Führungsmodelle und die Praxis organisationaler Veränderung. Sie begleitet Unternehmen bei der Einführung partizipativer Führungsstrukturen.

Häufige Fragen: Mitarbeitende in verteilter Führung

Wollen Mitarbeitende wirklich mehr Verantwortung?

Die ehrliche Antwort ist: es kommt auf die Person, die Aufgabe und den Kontext an. Nicht alle Menschen wünschen sich dasselbe Maß an Autonomie. Was die meisten wollen: Klarheit darüber, wofür sie verantwortlich sind, echte Handlungsmöglichkeiten in ihrem Bereich, und Unterstützung, wenn es schwierig wird. Das ist mehr als ein Ja/Nein zu Verantwortung.

Was überfordert Mitarbeitende bei verteilter Führung am häufigsten?

Der häufigste Stolperstein ist unklare Verantwortungsabgrenzung. Wenn unklar ist, wer was entscheidet, entstehen Lähmung und Konflikte. Das zweithäufigste Problem: fehlender Kompetenzaufbau. Verantwortung zu erhalten ohne die Fähigkeiten, sie zu tragen, erzeugt Angst – nicht Engagement.

Wie reagieren Mitarbeitende, wenn verteilte Führung nicht gut vorbereitet ist?

Typische Reaktionen reichen von zunächst Enthusiasmus bis hin zu wachsender Frustration. Wenn Entscheidungen, die man getroffen hat, später von oben korrigiert werden, entsteht Verwirrung: „Darf ich nun wirklich entscheiden oder nicht?" Konsistentes Verhalten der Führung ist entscheidend.

Was hilft Mitarbeitenden, mehr Eigenverantwortung gut zu übernehmen?

Drei Faktoren sind besonders wichtig: 1. Klare Entscheidungsräume (was fällt in meinen Bereich?), 2. Psychologische Sicherheit (Fehler dürfen ohne Statusverlust passieren), 3. Entwicklungsbegleitung (ich lerne, wie ich gut entscheide, nicht nur dass ich entscheide). Führung muss dabei unterstützen, nicht verschwinden.

Wie kann ich als Mitarbeitende:r aktiv mitwirken?

Zuerst: kommunizieren. Wenn Verantwortungsbereiche unklar sind, ansprechen. Wenn Fähigkeiten fehlen, Entwicklungswünsche äußern. Und: Verantwortung aktiv gestalten – nicht abwarten, bis sie „gegeben" wird. Verteilte Führung entsteht im Dialog, nicht durch Beschlüsse.

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