Hybrides Arbeiten, also das Arbeiten aus Homeoffice, Büro, Co-Working-Spaces und weiteren Orten, wird dann wirklich effektiv sein und auf die Ziele Ihres Unternehmens einzahlen, wenn Teams selbstorganisiert entscheiden, wo sie am produktivsten, kreativsten, fokussiertesten und gelassensten zusammenarbeiten können. In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, was Teams dafür brauchen.
Die Vision: selbstorganisierte hybride Teams wählen ihren Arbeitsort selbst
Stellen Sie sich vor, Sie können sich in HR, Betriebsrat oder Topmanagement jegliche Diskussion rund um Homeoffice und Präsenzzeiten sparen, weil Sie Ihren Teams vertrauen, den unternehmerisch sinnvollsten Arbeitsplatz selbst zu finden. Ein solches selbstorganisiertes, kollegial kontrolliertes System hebelt Produktivität, Arbeitsqualität und Mitarbeiterzufriedenheit, und damit -bindung. Manager müssen keine komplizierten Vorgaben mehr machen und kontrollieren, und Mitarbeitende keine Workarounds finden, um ausbremsende Regeln zu umgehen.
Utopie? Wir glauben: nein. In einigen Unternehmen ist das heute schon nahezu Realität, als logische Fortsetzung vieler Konzepte zu agilen, selbstorganisierten, evolutionären Organisationen, die den Zeitgeist des mündigen Mitunternehmers treffen.
Was brauchen Teams, um selbstorganisiert hybrid zu arbeiten?
Selbstorganisation lässt sich nicht aus dem Boden stampfen. Es braucht vier Erfolgshebel:
- 1) Motivation und Disziplin: Ein Team muss Lust haben, Führungsaufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, und die Konfliktfähigkeit und Ausdauer mitbringen, diese Herausforderung gemeinsam zu bewältigen. Es braucht reife (nicht „harmonische") Teams.
- 2) Strukturen, Räume und Tools: einfache Prinzipien für unbürokratisches, selbstbestimmtes Arbeiten, dazu die nötige räumliche Umgebung im Büro und zu Hause sowie eine geschmeidige IT (Videokonferenzen, Chat, gemeinsame Dokumente, synchrones Arbeiten, Raumbuchung).
- 3) Soziales Dürfen: Hybrides Arbeiten muss in der Kultur erlaubt, besser noch: gewollt und gefördert sein. Dazu braucht es Vorbilder auf der Führungsebene.
- 4) Fähigkeiten und Wissen: Teams müssen selbstorganisiert hybrid arbeiten können, das verlangt praxisorientierte (Aus-)Bildung, was hybrides Arbeiten ist und wie es funktioniert.
Wie Arbeitsmodi die Wahl des Arbeitsortes beeinflussen
Neben den individuellen Arbeitstypen spielen vor allem die unterschiedlichen Arbeitsmodi eine essenzielle Rolle. Je nachdem, welcher Modus zum Erreichen eines Ziels nötig ist, bietet sich ein anderer Arbeitsort an. So kann ein Team beim wöchentlichen Check-out am Freitag die Arbeitsortplanung für die nächste Woche machen: montags gemeinsam im Büro für einen Konzeptionsworkshop, Dienstag und Mittwoch konzentriert von zu Hause, Donnerstag Kundentermin im Büro, Freitag Retrospektive und Austausch mit anderen Teams vor Ort.
Eine solche Planung lässt sich auch auf zwei Wochen ausweiten; für längere Zeiträume ist genaue Planung oft schwierig. Es entwickeln sich sinnvolle Routinen, die auch helfen, private Termine unterzubringen. Bietet Ihr Unternehmen einen wirklich guten Multispace, kann jeder Arbeitsmodus auch vor Ort seinen Raum finden, mit dem Vorteil des situativen, unkomplizierten Moduswechsels.
Fazit
Als Unternehmen profitieren Sie, wenn reife Teams über ihren Arbeitsort selbst entscheiden, denn sie wählen den Ort, der je nach Situation am sinnvollsten ist. Wie in agilen Kontexten geben Führungskräfte das WAS vor und überlassen dem Team das WIE. Die Wahl von Arbeitsmodus und Arbeitsort ist ein entscheidender WIE-Faktor und ein logischer Schritt zu mehr Selbstorganisation und Potenzialentfaltung. Unterscheiden Sie anstehende Aufgaben nach Arbeitsmodi und wählen Sie den Arbeitsort gemeinsam, etwa per Konsententscheid. So lösen Sie das Dilemma um die Vorgabe von Homeoffice-Tagen und schaffen eine Kultur der Verantwortungsübernahme.