Im achten Teil der Serie „Neue Arbeitswelten" befassen wir uns mit der Frage, inwieweit wir unsere Umgebung, also Raum und Umfeld, nutzen können, um die Unternehmensstrategie und die vorhandenen Ressourcen bestmöglich einzusetzen.
Viele Unternehmen wollen den Kundennutzen bestmöglich erfüllen, in einer Gesunden Organisation unter anderem durch hybride Prozesse. Die Strategie eines Unternehmens ist die Gesamtheit aller Aktivitäten zur nachhaltigen Erreichung des Organisationszwecks und der daraus abgeleiteten Ziele. Sie basiert auf dem Leitbild, in dem Sinn, Zweck und Werte beschrieben sind. Eine markt- und ressourcenorientierte Strategie sichert auf dem Weg zum Zukunftsbild den Sinn und das Überleben und berücksichtigt die Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden, Kunden, Gesellschaft und Umwelt.
Die Frage ist: Inwieweit kann der Raum die Strategie einer Organisation maßgeblich unterstützen? Nicht erst seit den „Fridays for Future"-Demonstrationen haben viele Unternehmen verstanden, dass Nachhaltigkeit die nächsten Dekaden beherrschen wird, und sie als zentralen Bestandteil ihrer Ausrichtung integriert: ökologisch, ökonomisch und sozial. Im Folgenden einige Stellschrauben, die diese Aspekte gemeinsam mit dem richtigen Umfeld vertiefen.
Ökologische Aspekte
Architektur
In der Architektur kann sich Nachhaltigkeit vielfältig zeigen: nachwachsende Baumaterialien wie Holz oder Lehm statt konventionellem Beton, begrünte Dächer und Fassaden zur Luftverbesserung, ökologische Materialien in der Inneneinrichtung, etwa zertifiziertes, schnell nachwachsendes Holz wie Bambus.
Regenerative Energien
Solar zur Strom- und Warmwassergewinnung, Fotovoltaik auf Dachflächen, Kraft-Wärme-Kopplung oder eine eigene Biogasanlage verbessern die CO2-Bilanz. LED-Lichtquellen und die automatische Abschaltung von Geräten sind bereits bei kleinen Unternehmen möglich.
Nachhaltige Produkte
Regionale und saisonale Gerichte in Bio-Qualität in der Cafeteria, Leitungswasser statt Getränkekisten, Mehrweggeschirr und Papier aus nachhaltiger Produktion sind heute in vielen Organisationen Standard.
Ökonomische Aspekte
Arbeitsmodelle
Homeoffice hat sich als wirksame ökonomische Maßnahme für Mitarbeitende und Unternehmen herauskristallisiert: Mitarbeiter sparen den Pendlerweg (Sprit, CO2, Zeit), Unternehmen können Büroflächen reduzieren, da konzentriertes Arbeiten auch zuhause möglich ist und virtuelle Meetings organisiert werden können.
Mobilität
Virtuelle Meetings statt Flugreisen schonen Umwelt und Budget. Dienstfahrräder, große Fahrradabstellflächen inklusive Ladestationen für E-Bikes sowie Carsharing-Parkplätze fördern umweltfreundliche Mobilität und die Gesundheit der Mitarbeitenden.
Effizienz
Strukturiertes „Waste Management" mit konsequenter Mülltrennung senkt Entsorgungskosten; weniger Verschwendung und papierlose Prozesse schonen Ressourcen. Klare Markierungen der Müllbehälter, Stromsparmodus und autarke Energieversorgung reduzieren Kosten und Umweltbelastung.
Gesellschaftliche Aspekte
Bildung von „Communities"
Nachhaltig orientierte Unternehmen beziehen die Nachbarschaft ein: betriebseigene Kitas, die auch Anwohner nutzen dürfen, Sportzentren oder eine öffentlich zugängliche Cafeteria schaffen ein Gemeinschaftsgefühl.
Lokale Partnerschaften
Kooperationen mit lokalen Biobauern, etwa um auf dem Firmengelände eigenes Gemüse anzupflanzen, lassen aus dem Firmengelände die Idee eines „Campus" entstehen, der in seine Umgebung integriert ist. So bekommen Menschen einen Bezug zum Unternehmen und die Mitarbeitenden zu ihrer Umgebung.
Fazit
Die strategische Ausrichtung eines Unternehmens kann durch das Umfeld massiv unterstützt werden. Gerade die kommenden Generationen legen mehr Wert auf gelebte Nachhaltigkeit, der „Community"-Faktor wird wichtiger. Gebäude und Raum können einen sichtbaren Beitrag zu einer markt-, ressourcenorientierten und nachhaltigen Gesamtstrategie leisten.
Entscheidend ist die Authentizität der langfristigen Ausrichtung. „Greenwashing" führt früher oder später zu einem Imageschaden. Authentizität entsteht, wenn die Verantwortlichen es ernst meinen, auch wenn kurzfristige EBIT-Einbußen drohen. So entsteht eine Kultur, die die Strategie unterstützt statt sie zu korrumpieren, und in Raum und Architektur findet dieses ganzheitliche Vorgehen Vollendung. Greifen alle Zahnräder ineinander, kann eine Organisation gesund und fit für die Zukunft werden.