Im sechsten Teil der Serie „Neue Arbeitswelten" befassen wir uns mit adaptiven Strukturen in einem Unternehmen und mit ihrem Einfluss auf das Umfeld, also den Raum.
Strukturen einer Organisation beschreiben die Aufbau- und Ablauforganisation eines Unternehmens. Adaptiv sind sie, wenn sie sich möglichst flexibel an den Markt anpassen können. Je bürokratischer ein Unternehmen ist, desto schwerfälliger und langsamer ist seine Anpassungsfähigkeit.
Bezogen auf den Raum bilden Strukturen den Bauplan, gleichsam die Architektur einer Organisation. Adaptive Strukturen zeichnen sich durch eine hohe (Selbst-)Anpassungsfähigkeit aus. Sie erlauben kundennahes Denken, Fühlen und Handeln, Schnelligkeit, kluge Entscheidungen durch Mitarbeitende sowie die Entfaltung vorhandener Potenziale durch co-kreative Prozesse.
Eine der verantwortungsvollsten Aufgaben besteht heute darin, Mitarbeitenden eine Umgebung zu schaffen, in der sie ihre Potenziale voll entfalten können. Je nach Aufgabenbereich divergieren diese Anforderungen, man spricht von unterschiedlichen Arbeitsmodi.
Zwischen Denken und spontanem Austausch – Arbeitsmodi
Als Verantwortliche hat man die Aufgabe zu analysieren, welche Anforderungen die Tätigkeit an die Arbeitsumgebung stellt. Beispielhaft betrachten wir eine Mitarbeiterin im Marketing.
Stilles Arbeiten
Eine Fülle von Mails will beantwortet werden, dazu Recherchen aus dem Marktumfeld und das Zusammenführen von Dateien an einem digitalen Platz.
Besprechen
Für das Erstellen des Newsletters setzt sie sich mit ihrem Team zusammen und stimmt Themen und Zeitpläne ab. Ein Meetingraum mit großem Tisch, Whiteboard und Beamer wird benötigt, ein Videokonferenzsystem hilft, externe Dienstleister oder Mitarbeiter im Homeoffice hinzuzuschalten.
Denken
Für das Konzept braucht sie Räumlichkeiten, die wenig ablenken, sowie genug Ablage- und Visualisierungsflächen, um die Themen zu sortieren.
Telefonieren/Video
Für den längeren Videoanruf mit der Agentur sucht sie ein „Workbay" auf, das technische Voraussetzungen und Schallisolierung bietet, ohne andere zu stören.
Entwickeln
Um den Newsletter auf Kundennähe zu prüfen, führt sie mit Kollegen und einem Endkunden einen kleinen Design-Thinking-Workshop durch. Dafür braucht das Team eine kreative Umgebung: beschreibbare Wände und Fenster, digitale Whiteboards mit Dateizugriff und flexible Möbel für spontane Kleingruppenarbeit.
Spontan austauschen
In der Pause trifft sie zufällig einen Kollegen aus der Entwicklung, der vom neuen, marktreifen Produkt berichtet, und entscheidet spontan, diese Story in den Newsletter aufzunehmen.
Jeder Mensch ist anders – Persönlichkeitstypen
Strukturen beeinflussen auch die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden. Die einen sind eher introvertiert und arbeiten am liebsten in ruhiger Umgebung, anderen kann es nicht laut genug sein. Nicht jeder ist ein Teamplayer, der für große Flächen ohne Begrenzungen gemacht ist.
- „Blaue" Typen sind eher vorsichtig, besonnen, hinterfragend und reserviert. Sie bevorzugen Rückzugsorte, um in Ruhe zu arbeiten und nachzudenken. Ein lautes Großraumbüro ist hinderlich.
- „Rote" Typen agieren extravertierter, fordernd, entschlossen und willensstark. Sie scheuen weder Konflikt noch Rampenlicht, große Büroflächen mit Teamarbeit sind empfehlenswert.
- „Gelbe" Typen sind umgänglich, offen, enthusiastisch und redegewandt. Sie schätzen enge Zusammenarbeit; ein Einzelbüro oder zu viel Homeoffice wäre eher leistungsmindernd.
- „Grüne" Typen sind vertrauensvoll, geduldig und entspannt. Sie bevorzugen klare Vorgaben; eine angeleitete Tätigkeit auf der Teamfläche mit genügend Rückzugsorten ist am produktivsten.
Fazit
Um sinnvolle Strukturen zu schaffen und Potenzialentfaltung des Einzelnen wie des Teams zu ermöglichen, sollten unterschiedliche Arbeitsmodi gepaart mit den verschiedenen Persönlichkeitstypen berücksichtigt werden. Hierarchische Strukturen bringen klare (Team-)Grenzen mit, die sich auch im Raum auswirken. Netzwerk-, Kreis- oder Zellenorganisationen sind anpassungsfähiger, brauchen aber Raumstrukturen, die die nötige Flexibilität zulassen.
Ein Plus an Diversität im Raum führt zu einem Plus an Diversität von Persönlichkeitstypen und Arbeitsmodi. Eine kundenzentrierte Organisation zeigt sich in ihrer Ablauf- und Aufbauorganisation und manifestiert sich letztlich im Raum. Wie ist Ihr Unternehmen aufgebaut, und inwiefern spiegelt der Raum diese Strukturen wider?