Im vierten Teil der Serie „Neue Arbeitswelten" beschäftigen wir uns mit einer wichtigen Komponente der Gesunden Organisation: Beziehungen auf Augenhöhe. Gerade in einem Unternehmen sind die Beziehungen untereinander außerordentlich relevant für die Qualität im Miteinander.
„A person who feels appreciated will always do more than what is expected." (Lolly Daskal)
Das trifft auf alle Stakeholder zu: Individuum, Team, Führungskräfte und natürlich auch die Kunden stehen in Beziehung zueinander. Im Kontext von VUCA wird vernetztes Arbeiten, das Arbeiten im Team, immer wichtiger, um agil auf den ständigen Veränderungsprozess im Sinne der Kunden reagieren zu können. Wir betrachten aktuelle Nutzungskonzepte aus dem New-Work-Büroalltag und zeigen, wie das Büro gestaltet sein sollte, damit zwischenmenschliche Beziehungen gelingen.
Was bedeuten Beziehungen im Kontext von „New Work"?
In Unternehmen beschreiben Beziehungen die Art und Weise, wie die Kommunikation innerhalb der Organisation und an den Schnittstellen nach außen abläuft. Beziehungen sind Teil der Kommunikationskultur, in Kommunikationsstrukturen ablesbar und durch Kommunikationsprozesse geregelt.
Die zunehmende Selbstbestimmung der Arbeit gewinnt an Bedeutung. Insbesondere die Generation Y, die etwa ein Drittel der aktuellen Arbeitnehmer ausmacht, und die künftige Generation Z erwarten Freiräume in der Gestaltung ihres Arbeitsalltags. Flexible Arbeitszeiten, agile Arbeitsplätze und Homeoffice-Möglichkeiten sind häufig wichtige Kriterien im „War for Talent". Respekt, Achtung und Wertschätzung haben einen hohen Stellenwert.
Im Innern gestalten sich Augenhöhe-Beziehungen durch Kooperation, wechselseitiges Vertrauen, Unterstützung, Engagement und eine positive Darstellung des Unternehmens. In einer kränkelnden Organisation stellt man dagegen oft überhebliche und unterwürfige oder ausnutzungsorientierte „win-lose"-Beziehungen fest. Nach außen zeigen sie sich in der Qualität der Interaktion mit den Anspruchsgruppen: fairer Umgang, Einhaltung von Compliance-Regeln, Anerkennung von Vielfalt, langfristige Partnerschaften und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung.
Beziehungen sind stark von der angewandten Arbeitsweise abhängig. Diese hat sich durch die Digitalisierung in vielen Unternehmen verändert, das Raumkonzept allerdings häufig noch nicht.
Drei unterschiedliche Arten der Zusammenarbeit
Drei Arten, die jeweils die Beziehungen in der Zusammenarbeit prägen, lassen sich unterscheiden: „Classical Working", „Activity Based Working" und „Agile Working".
„Classical Working"
Dieser konservative Ansatz mit ausgeprägter Hierarchie beherrschte die Zusammenarbeit bis ins ausgehende 20. Jahrhundert, teils bis heute. Der Chef delegiert Aufgaben, es gibt klare Rollen und Zuständigkeiten, die Eigenverantwortung ist üblicherweise gering. Diese Arbeitsweise hemmt eher Kreativität und Innovation, kann aber dort, wo klare Strukturen hilfreich sind, durchaus sinnvoll und effektiv sein. Die heutige Büroausstattung stammt oft noch aus dieser Zeit: konventionell, unflexibel und wenig förderlich für die Kommunikation.
„Activity Based Working"
Google und Amazon machen es vor, auch in Deutschland ist diese Arbeitsweise immer häufiger anzutreffen, ihre Anfänge gehen auf die 1970er Jahre zurück. Die Mitarbeiter suchen sich die zu ihrem Arbeitsmodus (Telefonieren, Konzentration, Besprechung) passende Umgebung selbst aus und entscheiden über Arbeitszeit und Methodik. In diesen Multispace-Konzepten nutzt man für ein Telefonat einen Ruheraum, für die Arbeit mit Kollegen eine große Fläche. Im Idealfall sitzt die Führungskraft nicht abgeschottet im Einzelbüro, sondern beim Team mittendrin; Besprechungen und Design-Thinking-Sessions finden in Besprechungszimmern oder Lounges statt.
„Agile Working"
Arbeitet ein Unternehmen sehr stark in Teams, bietet sich die agile Arbeitsweise an. Agile Teams wählen die für sie passende Arbeitsumgebung selbst und gestalten sie nach ihren Bedarfen. Das Team entscheidet auch über gemeinsame Arbeitszeit und Methoden (Scrum, Kanban, Design Thinking). Es gibt aber auch Risiken: Für sehr introvertierte Menschen kann es schwierig sein, sich nicht zurückziehen zu können. Und es besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter sich nicht krankschreiben lassen, weil die Arbeitszeit selbstbestimmt ist, und dadurch zu wenig auf sich achten.
Fazit
Die vorherrschende Arbeitsweise im Unternehmen bestimmt Arbeitszeit, Arbeitsort und Arbeitsmethode. Die Arbeitsumgebung hat erheblichen Einfluss darauf, ob Beziehungen, und damit die Arbeitsweise, gelingen. Prüfen Sie konkret, ob in Ihrem Unternehmen Mitarbeiter aufgrund ihres Arbeitsplatzes unfair behandelt werden:
- Wer bekommt einen Platz am Fenster, wer sitzt neben der lauten Küche? Achten Sie darauf, dass es keine „besseren" Plätze gibt, oder rotieren Sie diese regelmäßig.
- Führungskräfte sitzen bei ihrem Team, der Umgang ist auf Augenhöhe, von Respekt und Wertschätzung geprägt.
- Unterschätzen Sie beim agilen Arbeiten die Risiken nicht. Schulen Sie Mitarbeiter und Teams darin, trotz Selbstbestimmung und geteilter Verantwortung auf sich und die anderen zu achten.
- Wer krank ist, sollte sich erholen; Ruhezeiten sollten eingehalten werden.
Wie immer bestimmt die Art und Weise, wie Führungskräfte stellvertretend handeln, den Erfolg der gewünschten Veränderung.