In unserer Serie „Neue Arbeitswelten" widmen wir uns dem Thema „New Work" und den notwendigen Transformationsprozessen des „Workplace Change". Neben der Qualität im Umfeld hat die Qualität in der Arbeitsumgebung einen erheblichen Einfluss auf alle Bereiche einer Gesunden Organisation.
Anforderungen für ein erfolgreiches Umsetzen von „New Work"
Nichts ist so beständig wie der Wandel. Gerade angesichts der Entwicklung der Arbeitswelt im letzten Jahrhundert, durch Digitalisierung, Globalisierung und demografischen Wandel, müssen sich Unternehmen schnellstmöglich an das New-Work-Zeitalter anpassen.
Eine „Multi-Space"-Arbeitsumgebung trägt wesentlich stärker zur Umsetzung der Unternehmensziele bei als andere Bürokonzepte. Stimmt die Arbeitsumgebung nicht, werden Zusammenarbeit und Innovation gehemmt.
1. New Work braucht multiple Organisationsformen
In Zeiten digitaler Transformation ist „command and control" antiquiert. Multiple Organisationsformen, die innerhalb einer Organisation das jeweils beste Betriebssystem zur Wertschöpfung zulassen, bilden das favorisierte Zukunftsmodell. Mitarbeiter folgen gemeinsam definierten Zielen, arbeiten überwiegend selbstorganisiert und verantworten die erarbeiteten Ergebnisse.
2. New Work braucht eine Wohlfühlkultur
Zukünftig wird noch stärker Wert auf ein gutes Klima gelegt. Arbeit soll Spaß machen, denn dann geht meist auch die Leistung damit einher. Angst ist der größte Leistungskiller, und aus Fehlern lernen Menschen vor allem in einer angstfreien Umgebung. Beziehungen auf Augenhöhe statt autoritärem Handeln sind erforderlich.
3. New Work braucht Kreativität und Agilität
Agilität ist zentral für die zukünftige Arbeitswelt. Durch die Zusammenarbeit in crossfunktionalen und oft agilen Teams wechseln Rollen häufiger. Die Arbeit wird zunehmend projektbezogener, um den wechselnden Herausforderungen und damit verbundenen Überraschungen begegnen zu können.
4. New Work bringt neue Formen der Arbeit
Seit vielen Jahren gibt es einen Trend, die Kernbelegschaft zu reduzieren, um flexibler am Arbeitsmarkt agieren zu können. Herkömmliche Arbeitsverhältnisse werden zunehmend aufgelöst durch die Zusammenarbeit mit „Freelancern", Interimsmanagern und Zeitarbeitsfirmen. Organisationen werden dadurch flexibler und können schneller auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. Arbeit findet deshalb oft von überall auf der Welt statt.
5. New Work braucht balancierte Führung
Auch wenn viele über flache Hierarchien und Organisationen ohne Führungskräfte reden: Führung wird es immer geben, da sie notwendig ist. Es ist allein die Frage, wie Führung definiert wird. Selbst in vermeintlich flachen Organisationsformen ist Führung unabdingbar.
Führungskräfte sehen sich immer neuen Herausforderungen gegenüber: Generationenwandel, technische Innovationen, virtuelle und digitale Führung, Potenzialentfaltung der Mitarbeiter, Gesundheitsmanagement sowie sinn- und werteorientiertes Handeln, und das alles unter erhöhtem Arbeitsaufkommen bei immer dünneren, fluiden Belegschaften.
6. New Work braucht „Multi-Space"-Büros
Nach dem Hirnforscher Gerald Hüther hat der Mensch vor allem zwei Grundbedürfnisse: Bindung und Wachstum. Menschen möchten wissen, wohin sie gehören, und sie wollen wachsen.
Organisationen können dies ermöglichen, indem sie Nähe schaffen. Wer nah beieinandersitzt oder sich in der Kaffeeecke über den Weg läuft, schafft vertrauensvolle Beziehungen. Vertrauen ist das Bindemittel von Organisationen. Büros sollten deshalb Lebensräume bieten, die den unterschiedlichen Bedürfnissen von Menschen und deren Aufgaben dienen.
7. New Work braucht Haltung „Y"
McGregor unterschied schon 1960 unterschiedliche Menschenbilder: X und Y. Haltung X geht eher davon aus, dass der Mensch faul und wenig leistungsmotiviert sei. Haltung Y dagegen, dass der Mensch engagiert, motiviert und leistungsorientiert sei.
Neue Arbeit benötigt eine Y-Haltung, da Vertrauen, als Konsequenz dieser Haltung, selbstbestimmtes, verantwortliches und flexibles Arbeiten erst ermöglicht. Vereinfacht gesagt: Wenn ich X denke, dann muss ich kontrollieren. Kontrolle dieser Art verhindert Eigenverantwortung und Potenzialentfaltung und macht die Organisation langsam.
Arbeitsmodi
Um den Anforderungen von „New Work" zu entsprechen, haben sich folgende Arbeitsmodi und Raumkonzepte etabliert:
- Räume für ruhiges Arbeiten, z. B. hochkonzentriertes Arbeiten, Nachdenken, Lesen
- Räume für Teamarbeit, z. B. Meetings, Abstimmungen, Planungen
- Räume für kreatives Arbeiten, z. B. agile Prozesse, Brainstorming, Projektarbeit
- Räume für Büroarbeit, z. B. Telefonieren, Abstimmungen
Persönliche Präferenzen
Neben den Arbeitsmodi darf man den wichtigsten Erfolgsfaktor nicht vergessen: den Menschen. Menschen sind Individuen und jeder für sich einzigartig. Die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter müssen bei der Arbeitsumgebung mitberücksichtigt werden. Manche Mitarbeiter sind eher introvertiert und können in „Open-Space"-Raumkonzepten ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen. Andere hingegen werden erst im Team zu Höchstleistungen angespornt.
Fazit
Die notwendige Transformation der Arbeitswelt ist unumgänglich. Die Arbeitsumgebung, also der Raum, spielt eine tragende Rolle in „New Work", denn „New Work" kann nur dann gelebt werden, wenn die räumlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen sind.
Neben den unterschiedlichen Arbeitsmodi sollte auch auf die Persönlichkeit und die individuellen Präferenzen der Mitarbeiter eingegangen werden. Die Räumlichkeiten müssen ein optimales Umfeld bieten, das beiden Aspekten Rechnung trägt. Die Mitarbeiter sollten außerdem die Flexibilität haben, sich die Arbeitsumgebung entsprechend ihrer persönlichen Präferenz auszusuchen, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen können.